Predigt am 1. Sonntag nach Trinitatis, den 6. Juni2021, über das Buch Jona, Kapitel 1+2

Predigttext: Jona 1,2
Perseus, der Held griechischer Sagen, rettet Andromeda vor einem Meerungeheuer. Herakles steigt in die tiefen des Meeres hinab, kämpft und besiegt den Höllenhund Kerberos. Im Grunde des Meeres das Totenreich, der rieseige Fisch, so steht es bei Jona, in TXT , so steht es in vielen alten Sagen. Alte Bilder der Angst vor dem Tod und vor tödlichen Mächten. Jona betet aus dem Scheol, dem Totenreich, dem Grund des Meeres. Allerdings gibt es bei Jona einen Unterschied zur Sagenwelt: Das Meerungeheuer ist bei Jona nicht gefährlich. Im Gegenteil: Es rettet Jona aus tödlicher Gefahr, dort, in seinem Bauch ist er sicher und geborgen, ist er Gott nahe, betet er, dankt er Gott für seine Rettung.
Dunkle Meerungeheuer, das klingt vielleicht interessant, werden vielleicht die Konfis denken. Aber was hat das mit dem Glauben, meinem Leben oder der Wirklichkeit zu tun? Ihr habt recht: Das ist nicht unsere Wirklichkeit. Das sind Bilder: Bilder der Angst und der Bedrohung, Bilder des Todes, des Bösen. Der Tod und das Böse ist eine unheimliche, unfassbare Wirklichkeit, wir setzen uns mit dieser schwer fassbaren Wirklichkeit auch in solchen Bildern auseinander. Es sind Bilder, die wir in der Bibel, aber auch in griechischen Sagen und in anderen alten Kulturen finden. Bilder also, die schon lange sehr verbreitet sind, Bilder wir vielleicht alle tief in uns tragen.
Es sind Bilder, aber es sind auch mehr als Bilder. Es sind Bilder von einer Wirklichkeit. Es sind Bilder von einer dunklen Wirklichkeit in der Welt: Die Menschen in Ninive waren böse, heißt es im Predigttext. So war es damals, aber auch heute können wir in der Zeitung immer wieder lesen, was Menschen einander antun. Das Böse, das hier bildhaft benannt wird, gibt es ja tatsächlich, man muss nur genau genug hinsehen.
Darauf weisen diese dunklen Bilder uns hin: Es gibt eine dunkle, zerstörerische Wirklichkeit.Menschen können einander böses tun, einander großes Leid zufügen, manchmal ohne, dass sie es wirlich wollen.
Wir müssen auf diese dunkle Seite des Lebens achthaben. Vermutlich muss sich jeder Mensch, mehr oder weniger bewusst, damit auseinandersetzen, weil diese dunkle Wirklichkeit auch in uns ist. Weil diese Wirklichkeit zu unserem Leben gehört, so wie die alten Bilder zu unserer Lebensgeschichte gehören.
In unserem Predigttext wird diese dunkle Seite der Macht Gottes gegenübergestellt. Die dunkle Seite wird verwandelt: Aus dem Meerungeheuer der griechischen Sagen wird in unserem Predigttext das schützende, gehorsame Tier, das Jona rettet. Aus den Bildern der Angst und des Bösen werden in unserem Predigttext Bilder der Rettung und Bewahrung, weil Gottes Macht und Liebe ins Spiel kommt.
Aber beginnen wir noch einmal mit dem Anfang der Geschichte: Jona, der Prophet bekommt einen Auftrag: er soll nach Ninive gehen, den Leuten ins Gewissen reden, die Böses tun. Jona, will es nicht. Wieder ein Unterschied zur griechischen Sagenwelt: Jona ist nicht wie Perseues oder Herakles ein großer Held. Jona hat Angst. Er drückt sich vor dem Auftrag. Er läuft weg.
Jona ist ein Prophet, aber er ist auch ein Mensch, ein unvollkommener Mensch wie wir. Ein Mensch mit seinen Ängsten vor der Zukunft, ein Mensch, der sich überfordert fühlt, ein Mensch, der manchmal wegläuft. Das erleben mehr Menschen als wir oft denken, dass sie am liebsten weglaufen würde. Vielleicht gerade jetzt. Die Gewalt der Jugendlichen kann so ein Zeichen sein, dass sie einfach nicht mehr können. Ich will die Gewalt nicht rechtfertigen, aber man muss auch sehen, dass Jugendliche unter den Abstandsgeboten gerade am meisten zu leiden haben.
Eltern kommen an den Rand ihrer Kraft, sie müssen arbeiten und gleichzeitig rund um die Uhr für ihre Kinder da sein, die es gerade jetzt besonders schwer haben und besonders viel Nähe brauchen. In den letzten Monaten war wohl manchen zum Weglaufen zu Mute.

Jona läuft weg, er flieht, manchmal können wir nicht anders, als vor einer Überforderung auszuweichen. Bei Jona allerdings war es der falsche Weg. Denn seine Flucht führt ihn ganz wörtlich und immer weiter nach unten. Immer wieder heißt es, er steigt ab, er steigt ab, nach Tarsus, um ein Schiff zu besteigen und abzuhauen, im Schiff steigt er ab, ganz nach unten und schläft. Und dann sagt er den ratlosen Matrosen: werft mich ins Meer. Ich bin schuld. Vielleicht ist Jona hier zum erstenmal doch ein Held, dass er sich opfert. Das passt allerdings kaum zum Jona, den wir vorher kennengelernt haben. Vielleicht kann er einfach nicht mehr. Will nicht mehr. Der Tod ist sein letzter Ausweg.Und dann fällt Jona und sinkt tief hinab, tiefer und immer tiefer, tiefer geht es nicht. Er sinkt bis in den Scheol, den Schlund des Todes. Und fällt in Gottes Hand. Ist auf einmal gerettet, geborgen in einem großen Fisch.
Noch einmal für die Konfis gesagt: Das sind Bilder. Die Frage, war das so, bringt uns hier nicht weiter. Es geht darum, dass wir die Bilder in uns wirken lassen. Das Bild von Jona zum Beispiel, wie er umgeben von dunklen Fluten, umgeben von Angst in einem guten Raum geborgen ist. Mitten im dunklen Meer von einem großen Fisch geschützt. Wie er Gott dankt, wie auf einmal Lebensfreude und Dankbarkeit auf seinem Gesicht liegen. Ein heller, warmer Raum in der Dunkelheit. In der Mitte der Dunkelheit, des Todes und der Angst von Gott gehalten und geborgen, so kann man vielleicht díe Aussage des Bildes zusammenfassen.
Ich stelle neben die bildreiche Geschichte des Predigttextes ein bildhafte Geschichte aus unserer Zeit: Eine Mutter, sie hat gearbeitet, zugleich getröstet, aufgepasst, Streit geschlichtet, die Kinder hängen an ihr und sie kann jetzt einfach nicht mehr. Es geht nicht mehr. Zum Glück ist ihr Mann gekommen. Sie geht. Sie geht runter in die Stadt, zu einer Kirche. Sie hat Glück, die Kirche ist offen, vorne in der Kirche brennt eine Kerze. Sie setzt sich, im warmen Licht, im geschützen Raum kommt sie langsam zur Ruhe. Ihr Blick fällt auf ein Bild von Jona im Bauch des Fisches. Und sie fühlt sich ein wenig wie Jona. Geborgen mitten in den Wellen des Alltags.
Geborgen im Leben, das sie gerade überfordert. Geborgen in diesem schützenden Raum. Und wie Jona spürt sie: ich bin nicht allein. Gottes Liebe, Gottes Kraft umgibt mich.
Am Ende unseres Predigttextes bricht Jona auf. Er geht nach Ninive, zu der bösen Stadt. Er wird mit den Menschen reden. Wir haben wie Jona den Auftrag, dem Bösen zu wehren, für das Leben einzutreten. Jona war kein Held, wir sind keine Übermenschen. Wir werden vielleicht manchmal wie Jona unserer Angst, der Überforderung, vielleicht auch der Dunkelheit in uns erliegen. Aber wir sind wie Jona gehalten. Umgeben von Gottes liebevoller, schützender und verwandelnder Kraft. So können wir aufstehen und wie Jona unseren Aufgaben entgegengehen, dem Bösen widerstehen, dem Leben dienen. Aufrecht, mit der Kraft Gottes im Rücken und, wenn es möglich ist, mit Freude am Leben, das uns umgibt.
Amen
Vater im Himmel, erlöse uns von dem Bösen, niemand kann uns bewahren, kann uns befreien als du.
So viel Leid geschieht, so viel Unheil. Bewahre uns davor zu sagen: Es gibt keinen Gott, der es wahrnimmt.
So viel Gewalt tobt sich aus, so viel Bosheit. Bewahre und davor zu sagen: Das Böse hat die Macht.
Bewahre uns davor an deiner Nähe zu zweifeln, die Lüge für mächtiger zu halten als dich, das Unrecht für stärker als deine Gerechtigkeit.
Bewahre uns davor, deine Hand loszulassen, uns in der Welt einzurichten, und uns mit Lüge, Gewalt und Unrecht abzufinden. Halte du unsere Hand fest.
Erlöse uns von dem bösen. Vater wir wissen, dass wir gefangen sind, gebunden wie mit Ketten. Wir möchten glauben und leben doch, als glaubten wir nicht. Wir möchten lieben und leben doch fast nur für uns selbst. Wir möchten der Wahrheit dienen und beugen uns doch immerwieder der Lüge. Wir möchten dir dienen und glauben dir doch nicht, dass du wirklich der Herr bist.
Mache uns frei, befreie uns von jener dunklen Mach, die wir den Teufel nennen. Befreie uns vor allem von uns selbst. Du kannst es.
Denn dein ist das Reich, in das wir eingehen werden um auf ewig deine freien Kinder zu sein. Dein ist die Macht, die allen Mächten ihr Ende setzt. Dein ist die Herrlichkeit, der Lichtglanz, die Fülle des Lichts, in der wir dich schauen werden in Ewigkeit. Amen

Gottesdienst am Sonntag Exaudi, den 16. Mai. Wenn sie auf das Vorschaubild klicken, wird das Video des Anbieters YouTube abgespielt.

Gottesdienst am Sonntag Rogate, den 9. Mai. Wenn Sie auf das Vorschaubild klicken wird das Video des Anbieters YouTube abgespielt.

Gottesdienst am 2. Mai, dem Sonntag Kantate. Wenn sie auf das Vorschaubild klicken, wird das Video des Anbieters YouTube abgespielt.

Gottesdienst am 24. April, dem Sonntag Jubilate. Mit Klick auf das Vorschaubild wird das Video des Anbieters YouTube abgespielt.

Gottesdeinst am 18.4., am Sonntag des Guten Hirten. Mit Klick auf das Vorschaubild wird das Video des Anbieters YouTube abgespielt.

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Predigt zu Palmsonntag über das Evangelium des Tages: Johannes 12,12-19. Mit Klick auf das Vorschaubild wird das Video des Anbieters YouToube abgespielt.

In Weilstetten findet in der St. Dionysius-Kirche sonntags in der Regel um 9:30 Uhr Gottesdienst statt.


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