Predigt zu Pfingstsonntag

Predigttext zum Pfingstsonntag aus der Apostelgeschichte,
im 2. Kapitel
Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.
Liebe Gemeinde,
1.(Mauern gegen die Unsicherheit) fast am Anfang der Bibel, in der Vorgeschichte, im 1. Buch Mose wird von dem Turmbau zu Babel erzählt. Die Menschen, heißt es, waren unsicher, sie fühlten sich verloren in der Weite und Unübersichtlichkeit des Lebens. Die Menschen suchten Sicherheit in den Mauern einer Stadt. Babel, eine mächtige Stadt, wird errichtet und in ihrer Mitte ein Turm, der alle Rekorde schlagen soll. Hoch hinaus wollten die Menschen damals, überzeugt, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen mussten. In gemeinsamer Stärke wollten sie einen Turm bauen, der bis in den Himmel reicht. Himmel und Erde im Bereich ihres Könnens und ihrer Macht. Nichts ist unmöglich, dachten sie. Wollten sie, vielleicht unbewusst, sein wie Gott? Das wäre die Überheblichkeit, das was die Bibel als Ursünde bezeichnet. Überheblichkeit auf dem Grund der Unsicherheit. Die Menschen heißt es, sprachen eine Sprache. Am Ende aber, verwirrte Gott ihre Sprache. Das Pfingstwunder in umgekehrter Form. Aus der einen Sprache werden viele und keiner versteht mehr den Anderen. Überheblichkeit spaltet.
2. (Mauern lösen sich auf) Heute an Pfingsten geht es wieder um eine Stadt, Jerusalem. Die Jünger sind in einem Haus zusammen. In der Stadt ist das Leben nicht sicher. Schließlich wurde Christus, der ihr Anführer war, hingerichtet. Sie waren in Gefahr. Ja, einigen ist Christus begegnet, die Hoffnung wuchs, aber längst nicht alle glaubten an seine Auferstehung. Sie waren unsicher. Sie wollen nicht hoch hinaus. In den vier Wänden eines Hauses fühlen sie sich zunächst vor Anfeindungen sicher.
Wenn man unseren heutigen Predigttext liest, dann ist es so, als lösten sich die Hauswände auf einmal auf. Sie spielen keine Rolle mehr. Aus der ganzen Stadt kommen Menschen. Wie das gehen soll, wo die Jünger doch in einem Haus sind, wird nicht erklärt. Die Wände scheinen eher ein Bild für die Unsicherheit, die Sorge der Jünger gewesen zu sein. Dann aber wird es anders: Die Angst verflüchtigt sich. Feuerflammen setzen sich auf die Jünger. Feuer wie Kraft, Mut, Geist der Liebe. Sie spüren wieder das Feuer, die Lebenskraft in sich, so wie sie sie in der Nähe Jesu gespürt haben. Sie reden, und die Menschen verstehen sie.
3. (Wo Mauern weichen entsteht ein neuer Raum) Pfingsten, das sind nicht die Türme der Macht, die Türme von Babel, Pfingsten, das sind nicht die Mauern der Unsicherheit und Angst. An Pfingsten weichen die Mauern. Und wo immer die Mauern der Sorge und Angst weichen können, da entsteht ein weiter Raum. Der Heilige Geist kann in ihm wirken. Menschen können sich begegnen. Am Ende der Turmbaugeschichte heißt es, die Menschen verstehen sich nicht mehr. Am Ende der Pfingstgeschichte heißt es, die Menschen verstehen einander, sie haben keine Furcht voreinander.
4. (Sicherheiten aufgeben, Mauern einreißen ist nicht ohne Risiko) Die Mauern der Unsicherheit überwinden und aufeinander zugehen. Nicht wie in Babel in die Höhe gehen, Macht zeigen, sondern in die Weite gehen. Dieses in die Weite gehen, dieses aufeinander zugehen, das Herz öffnen ist nicht ungefährlich. Sie werden auch verspottet heißt es. Sie seien betrunken. Der Geist der Liebe, der Geist Gottes, es gehört Mut dazu, sich ihm anzuvertrauen. Immer ist es mit der Gefahr verbunden, sich verletzlich, angreifbar, lächerlich zu machen. Die Mauern, die Sicherungen lösen. Es ist nicht ohne Risiko, aber es ist die Möglichkeit, dass Neues entsteht. Es ist die Möglichkeit, dass tiefe Gemeinschaft, tiefes Verstehen möglich ist, auch über Sprachgrenzen hinweg.
5. (Geburtstag der Kirche) Pfingsten, man sagt, das ist der Anfang, der Geburtstag der Kirche. Hier beginnt die Geschichte der Kirche. Mauer und weites Haus, Geist und Ungeist, Liebe und Angst, Babel und Jerusalem, beides gehört zur Geschichte der Kirche von Anfang an.
„Wollt ihr den totalen Krieg?“ sagte ein begeisternder Redner vor gut 75 Jahren im Berliner Sportpalast. Die Menschen jubelten, auch der in Gips gelegte Arm war kein Hindernis, die Krücke auch nicht. Das Leiden an der Front war vergessen, auch die Gehbehinderten sprangen auf. „Nun Volk steh auf, der Sturm bricht los.“ Der Sturmwind kam nicht vom Heiligen Geist. Das war nicht die Kirche, aber viele aus der Kirche ließen sich blenden, setzten Geist und Ungeist in eins. Wir können nicht urteilen. Es war eine Zeit der Angst.
6. (Die Geister prüfen) Zur Geschichte der Kirche gehört Geist und Ungeist. Die Kirche, die heute Geburtstag feiert, ist alt. Sie hat eine lange Geschichte, zu ihr gehören glühende Gebete, das Ringen um Wahrheit, Glaubensmut, genauso wie Schuld und Versagen. Heute, am Geburtstag der Kirche, feiern wir die Kirche, auch unsere schöne Weilstetter Kirche, in der so viele Menschen Trost und Kraft zum Leben gefunden haben. Wir wissen auch um Schuld und Versagen. Martin Luther, ein sicher geistbegabter Mann der Kirche, hat unserer evangelischen Kirche die Aufgabe mitgegeben, immer die Geister zu prüfen am Geist Jesu. Diese evangelische Nüchternheit, dieses prüfen der Geister, ist manchmal anstrengend. Es hat seinen tiefen Sinn.
7. (gegen die Unsicherheit keine Mauern bauen) Was ist der Geist Jesus? Es ist kein Geist der Angst, nicht der Macht, die Menschen kleinmacht wie im Dritten Reich, sondern der Geist, der verunsicherten Jüngern wieder Lebensmut, Feuer, Liebe zum Leben und Glaubensgewissheit geschenkt hat. Es ist auch nicht der Geist des starken Mannes, der Pflanzenschutzmittel gegen Corona empfiehlt und eine Mauer baut. Jesus sagt: „Ihr wisst wie es bei den Mächtigen ist: Einer hält den Anderen nieder, aber so soll es nicht sein bei euch, sondern wer unter euch groß sein will, soll euer aller Diener sein.“ Gegen die Unsicherheit nicht Mauern bauen oder Türme als leere Machtdemonstration, sondern aufeinander zugehen, mit Phantasie und Verantwortung einander dienen, mit Phantasie und Offenheit Mauern der Sorge überwinden.
8. (Die Spuren des Geistes heute)  Pfingsten lädt uns ein, nach den Spuren von Gottes Geist zu suchen: wo finden wir den Geist der Liebe und des Dienens, den Geist, der Verängstigte aufrichtet?
Ich finde, wir können seine Spuren heute gut erkennen. Mit Phantasie und Engagement wurden in dieser schwierigen Zeit Hilfsdienste organisiert, Hoffnungsbriefe und Predigten verteilt. Es macht Hoffnung, wie sich Menschen einschränken, um dem Leben und der Gesundheit anderer zu dienen. Es sind große Einschränkungen und es ist ein großer Ernst und eine große Verantwortung spürbar in unserer Zeit. Wir befolgen das 4. Gebot: Ehre Vater und Mutter – ein Gebot, das damals an erwachsene Kinder gerichtet war, dass sie ihren altgewordenen Eltern im Nomadenlaben beistehen. Das Leben in der Wüste war hart für die Alten, bedeutete für sie Lebensgefahr. Es ist beeindruckend, wie heute Einschränkungen von vielen in Kauf genommen werden, um das Leben derer zu schützen, die jetzt einer besonderen Gefahr ausgesetzt sind.
9. (Unsicherheit weicht, wo Menschen aufeinander zugehen) Wir können diese gute Spur des Geistes erkennen in den liebevollen Briefen, die die Großmutter an das Enkelkind und das Enkelkind an die Großmutter schreibt. Einmal habe ich einen Vater mit seinem Sohn gesehen, die mit der Großmutter auf dem Balkon sprachen. Das war im Bild unseres Predigttextes fast so, als ob die Hauswände durchlässig würden, durchlässig für Gottes Geist der Liebe. Einsamkeit, Unsicherheit weicht. Es ist nicht alles gut, die Krise treibt viele Menschen auch nahe an den Abgrund. Wir dürfen diese Menschen nicht vergessen. Wir dürfen aber auch nicht die Zeichen des Geistes übersehen, der Leben wirkt, mitten in dieser schwierigen Zeit.
10. (mit Gottes Geist dem, was Angst macht widerstehen) Pfingsten, das ist die Einladung nach Gottes Geist zu suchen. Seine Spuren im Leben zu suchen. Und, wo wir ihn erkennen können, Gott zu bitten uns Kraft und Mut zu geben, ihm zu folgen. Damit wir das Feuer der Liebe Gottes wieder in uns spüren, damit wir dem, was Sorgen und Angst macht, was Menschen leiden lässt widerstehen, damit wir Gemeinschaft finden, ehrliche, tiefe Herzensgemeinschaft, die frei ist von Überheblichkeit und Unsicherheit.
So bitten wir: Komm heiliger Geist, erleuchte und öffne unsere Herzen.
Amen

Predigt über Jeremia 31, 31 -34 am 24. Mai 2020 in Weilstetten von Günter Renz



Predigt über Jeremia 31, 31 -34 am 24. Mai 2020 in Weilstetten

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„Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“

Diesen Satz, liebe Gemeinde,  sagt der junge Besitzer eines heruntergekommenen Hotels in dem Film “Best Exotic Marigold Hotel.“

Vorher sollen diesen Satz schon Oscar Wilde und John Lennon gesagt haben, aber richtig bekannt wurde der Spruch erst durch den Film.

Da reist eine Gruppe älterer Herrschaften aus England nach Indien,  weil ihnen dort im Best Exotic Marigold Hotel ein sorgloses Ruhestandsleben in einem herrschaftlichen Palasthotel versprochen wurde.

Der Palast stellt sich als Bruchbude heraus und schon in den ersten Tagen merken die neuen Bewohner, dass sie ihre Heimat zwar hinter sich gelassen haben,  dass ihre Vergangenheit und ihre Probleme aber mitgekommen sind.

Sonny, der junge Hotelbesitzer, lässt sich von allen Beschwerden und allen Problemen fast nie aus der Ruhe bringen, und wenn die Verzweiflung überhand nimmt,  sagt er jenen klugen Satz: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“


Diesen Satz, liebe Gemeinde, hätte auch der Prophet Jeremia sagen können. Er lebte in einer dunklen Zeit im 6. Jahrhundert vor Christus. Weite Teile von Israel und Juda sind von den Babyloniern eingenommen  worden. Die Städte dort sind zerstört, die Elite des Landes wurde nach Babylon deportiert. Jerusalem aber ist noch frei. Und der König tut so, als ob das immer so bleiben würde.

Dabei kommen die mächtigen Babylonier mit ihrer riesigen Armee immer näher.

Jeremia erkennt: Jerusalem hat keine Chance! Und er weiß: Das ist Gotts gerechte Strafe dafür, dass das Volk den Bund gebrochen hat. Als Prophet hat Jeremia viel zu tun: Schon lange hielten sich der König und die Menschen nicht mehr an Gottes Gebote. Sie verehren andere Götter,  sie kümmern sich nicht um die Witwen und Waisen, sie lügen, betrügen und stehlen.

Deshalb, so richtet Jeremia die Botschaft Gottes aus,  wird Gott die Babylonier über Jerusalem kommen lassen  und Jerusalem wird zerstört werden, so wie es bereits den Dörfern im Norden ging Weder der König, noch die Priester, noch das Volk wollen auf Jeremia hören. Für sie ist er ein Schwarzseher, ein Unruhestifter, ein Spinner. Aber Jeremia lässt sich nicht von seinem Weg abbringen. Er predigt den Untergang, auch wenn er verhaftet und geschlagen wird, wenn Anschläge auf ihn verübt werden und er in Lebensgefahr ist.

Und dann, liebe Gemeinde, tritt ein, was Jeremia vorausgesagt hat: Die Babylonier belagern Jerusalem.

Und plötzlich redet Jeremia ganz anders.

Predigttext aus dem Buch Jeremia im 31 Kapitel:

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen,

32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr;

33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.



Als alle wussten, dass sie jetzt dem Untergang und dem  Verderben entgegen gehen und bereuten, dass sie Gottes Weg verlassen haben,  sagt Jeremia eine Zeit voraus,  in der Gott seinen  Bund erneuern will.

Dann wird der Mensch Gott erkennen, und das Gesetz Gottes wird den Menschen ins Herz geschrieben sein. Sie werden Gottes Wort befolgen, nicht weil sie es müssen und weil sie dazu ermahnt wurden, sondern weil sie es wollen. Das ist nicht das Ende, sagt Jermia voraus, auch wenn Jerusalem jetzt zerstört wird, auch wenn ihr in das Exil geführt werdet,  auch wenn ihr so weit von Gottes Wegen und seinem Gesetz entfernt seid; das ist nicht das Ende.

Gottes Weg mit euch geht weiter,  Gottes Gnade wird größer sein als eure Schuld. " Es lohnt sich“, könnte Jeremia den  Mensch sagen, „es lohnt sich  weiterzumachen, nicht aufzugeben,  es lohnt sich, zu Gott zurückzukehren.“ Das ist nicht das Ende, denn am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist,  dann ist es noch nicht das Ende.“

Liebe Gemeinde

"Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“

Das ist für uns alle in der Corona Pandemie ein guter Satz, ein Satz, der Hoffnung macht, auch in ausweglosen Situationen.

„Das ist das Ende“, denkt der Autofahrer, der alkoholisiert eine Radfahrerin übersehen und schwer verletzt hat. „Das ist das Ende, mit dieser Schuld kann ich nicht leben. Die Frau wird nie mehr ganz gesund werden. Ich wusste, dass ich ein Glas zu viel getrunken habe,  und ich dachte, das macht schon nichts, das geht schon. Aber es ging eben nicht. Es ist meine Schuld. Nie wieder kann ich froh werden.“

„Das ist das Ende“,  sagt die Frau zu ihrem Arzt, der ihr die schreckliche Diagnose mitteilt. „Meine Lebenspläne werden nicht aufgehen, ich werde lange krank sein und vielleicht zu früh sterben müssen.“

„Das ist das Ende“, sagt der junge Mann. „Wie konnte ich auch die  bösen, schmutzigen Bilder ins Facebook stellen. Ich wollte das doch gar nicht, das war so nicht gedacht. Jetzt sind alle gegen mich. Ich habe keine Freunde mehr. Jetzt bin ich allein.“

Aber Gott sagt:“Das hier ist nicht das Ende. Es wird eine Zeit kommen, da wird alles gut werden.“ Diese Zeit kommt allerdings nicht gleich und oft gerade dann nicht, wenn man sie sich als Mensch am meisten wünscht.

„Es kommt die Zeit“, sagt Gott. Sie ist noch nicht da. Nur die Hoffnung ist schon da. Es macht einen Unterschied, wenn man weiß, dass das Unglück nicht das letzte Wort haben wird. Es gibt Kraft zum Weiterleben,  wenn der Autofahrer weiß, dass Gott auch die schwerste Schuld vergeben kann.

Gott macht Mut zum Kämpfen und Ertragen, wenn die kranke Frau glaubt, dass Gott das Leben und das Sterben in seinen Händen hält. Selbst der Tod ist nicht das Ende.

Der junge Mann kann sich im Spiegel wieder anschauen, wenn er darauf vertraut, dass er von Gott geliebt wird, auch wenn er bei den Menschen unten durch ist.


Gott, liebe Gemeinde, Gott gibt nicht auf. Er will, dass es am Ende gut wird für seine Menschen. Er will, dass sie gut leben. Deshalb hat er sein Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Deshalb hat er ihnen die 10 Gebote auf den steinernen Tafeln gegeben. Deshalb hat Gott seine Propheten geschickt, die unter dem Einsatz des eigenen Lebens Gottes Willen ausrichten.

Und deshalb schickt Gott seinen Sohn Jesus auf die Erde, damit die Menschen erfahren, wie gut es Gott mit ihnen meint. Als Jesus dann am Kreuz starb, dachten die Menschen, die an ihn glaubten und die mit ihm gegangen sind, dass dies das Ende wäre.

Aber es war nicht das Ende, denn Jesus ist nach drei Tagen wieder lebendig.

Und als Jesus dann vierzig Tage später in den Himmel fährt, dachten seine Jünger: „Das ist das Ende“. Aber es war nicht das Ende, denn Gott wird seinen Heiligen Geist schicken. „Und am Ende ist alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“

Liebe Gemeinde, für diese Zeit, die kommen soll, sagt Jeremia einen Bund Gottes mit den Menschen voraus. Dann werden die Menschen nicht mehr nach Gott fragen müssen, sondern sie werden ihn erkennen und sein Gesetz soll in ihre Herzen geschrieben sein.

Für uns Christen ist mit Jesus Gottes Bund wahr geworden.

In Jesus stellt Gott sich ein für allemal auf die Seite der Menschen. Gott wird selbst ein Mensch. Wir müssen nicht mehr rätseln, wie Gott ist.

Aus den Worten und Geschichten Jesu wissen wir, wie Gott ist.

In Jesus gibt sich Gott zu erkennen. Die Liebe ist sein Gesetz. Die Liebe ist das Gesetz, das Jesus gelebt hat. Die Liebe ist das Gesetz, das uns Gott ins Herz gibt. Die Liebe ist das Gesetz, das uns sagt, was zu tun und zu lassen ist. Die Liebe macht, dass das Ende gut wird. Wo die Liebe regiert, ist die Zeit, von der Jeremia spricht, schon angebrochen. Sie ist noch nicht vollendet. Die Vollendung ist noch nicht ganz da, aber Jeremia blickt bis an das Ende der Welt.

Fast ganz am Ende der Bibel werden Jeremias Worte noch einmal zitiert. Dort beschreibt der Seher Johannes, wie es sein wird, wenn am Ende der Zeit Gottes neues Reich anbricht, und wenn wirklich alles gut sein wird:

Und Gott wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst,  Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen.

Ja, liebe Gemeinde, dann erst wird das Ende sein, dahin sind wir unterwegs durch die Zeit und dann wird es wahrlich gut sein.

Wie sagte doch Sonny, Besitzer des Best Exotic Marigold Hotels in Indien zu den älteren Herrschaften aus England und heute in den Zeiten der Corona Pandemie zu uns allen:

„Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“

Amen

Predigt zu Christi Himmelfahrt

Predigttext zu Christi Himmelfahrt, Johannes 20
Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war. Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.
Liebe Gemeinde,
eigentlich müssten die Galaxien auseinanderfallen. Wir kennen nur einen kleinen Teil der Materie, die eigentlich notwendig wäre, um die Galaxien zusammenzuhalten. Es muss also Materie geben, sogenannte dunkle Materie, die wir weder sehen, messen noch wahrnehmen können.
Das ist nicht so leicht auszuhalten, denn es ist ein menschliches Grundbedürfnis die Dinge zu verstehen, aber es führt uns auch immer wieder in die Irre: Albert Einstein konnte im Jahr 1915 sein Meisterwerk, die allgemeine Relativitätstheorie, fertigstellen. Die anerkannte Fachmeinung über das Universum lautete damals: Das Universum hat keinen Anfang und kein Ende. Auch Einstein glaubte das. Seine Relativitätstheorie lief aber darauf hinaus, dass das Universum einen Anfang hat. Um diesen Widerspruch zu lösen, führte Einstein eine kosmische Konstante ein. Inzwischen ist der Anfang des Universums als Urknall anerkannte Theorie und Einstein hat die kosmische Konstante später als die größte Eselei seines Lebens bezeichnet.

Das Bedürfnis Dinge in ein verständliches System zu bringen führt uns immer wieder in die Irre, vor allem wo es um das Leben oder das Schicksal geht: Der Kranke hat zu viel geraucht, der Arme hätte sich mehr anstrengen sollen und an dem Coronavirus sind die Chinesen oder überhaupt die Politiker, die uns kontrollieren wollen, schuld. Wir spüren zumeist wie falsch und hart solche Erklärungen oder Schicksalssysteme sind. Aber dieses Erklärungsbedürfnis ist menschlich, wir sind dabei mit Einstein in guter Gesellschaft. Immer wieder geraten wir in diese Falle. Wir müssen sehr aufpassen, wenn wir das Unerklärliche und Schwierige in ein System bringen wollen.
Himmelfahrt, mit diesem Feiertag stoßen wir auch an Fragen, die die Menschen immer schon umgetrieben hat. Wo kommen wir einmal hin? Was kommt nach diesem Leben? Wo ist Gott?
Die Bibel ist kein naturwissenschaftliches Lehrbuch, sondern ein Buch des Lebens und der Hoffnung. Die Bibel gibt auf diese Fragen keine naturwissenschaftlichen Erklärungen. Die kann es auch nicht geben. Wir finden keine Theorie über das, was der Himmel ist. Wir finden aber in der Bibel Bilder vom Leben nach dem Tod, die uns Hoffnung geben. Wir finden keine Erklärungen, für etwas, das über unser Verstehen geht, aber Hinweise auf die Kraft, die uns zu leben hilft, trotz allem, was wir nicht verstehen.
Im Johannesevangelium ist diese Kraft die Liebe Gottes. Und der Himmel ist der Ort, wo Christus ist und bei ihm die, die nach diesem Leben in den Raum seiner Liebe zu ihm gekommen sind. Ganz einfach, wir werden bei ihm sein, bei dem, der uns die Liebe Gottes durch sein Leben und Sterben gezeigt hat. „Vater ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen.“


Das klingt fast so wie: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen.“ (Buch Ruth) Wie ein Lied von der Liebe. Diese Sicht des Himmels passt für mich gut zu dem, was Menschen, die Nahtoderlebnissen hatten, sagen: immer wieder sprechen sie von einer starken Liebe, in die sie hineinkommen. Es ist für die, die es erlebt haben schwer in Worte zu fassen. Die Sprache kommt hier an die Grenzen.
Wir können das nicht beweisen. Wir können auch nicht wissen wie dieser Ort aussieht. Himmel ist ein Bild für eine Wirklichkeit, die wir nicht verstehen können und auch nicht kennen.
Aber ich bin überzeugt, manchmal gibt es Übergänge. So viele Menschen haben mir schon gesagt, ich habe sie oder ihn noch einmal gesehen. Himmel und Erde sind nicht streng getrennt. Manche Menschen in bestimmten Situationen sind Grenzgänger zwischen Himmel und Erde. Auch das sind keine Beweise, aber für die, die es erlebt haben, ist es wahr. Wir können und müssen nicht alles erklären. Und ich finde, es ist auch nicht schwieriger zu glauben als das, was die Wissenschaft sagt; dass es da unsichtbare Materie und Energien gibt.
Johannes ist überzeugt, der Himmel ist eine Wirklichkeit, die jetzt schon unser Leben bestimmt. Im Gebet, im Gottesdienst, in der Gemeinschaft untereinander und mit Gott können wir jetzt schon für Augenblicke die Freiheit, Kraft und Lebensfreude finden, die einmal sein wird, wenn wir hinübergehen. Himmel und Erde sind keine getrennten Bereiche.
Noch sind wir nicht dort, auch wenn es Augenblicke gibt, wo wir uns dem Himmel nahe fühlen. Wir werden, wenn die Coronakrise überstanden ist, prüfen und analysieren müssen: Was an dieser Krise hängt mit unserem Lebensstil zusammen? Was ist einfach unverfügbar? Wie können wir uns auf künftige Pandemien einstellen? Wir werden solche Überlegungen anstellen müssen und dazu brauchen wir die Naturwissenschaft. Wichtig ist, dass wir diese Fragen besonnen stellen und keine voreiligen Schlüsse ziehen, die mehr schaden als nützen. Die Bibel gibt uns nicht die Antworten auf diese Fragen, aber wir finden in ihr die Bilder der Hoffnung und die Lebenskräfte, die wir brauchen, um besonnen und verantwortlich zu leben und zu handeln.

Und manche Rätsel lassen sich dann doch lösen:
Bei der Trauerfeier meines Bruders vor drei Jahren gab es einen kurzen „himmlischen Augenblick“. Als sein Name zum letzten Mal genannt wurde, hörten wir ein ganz zartes und feines Geläut. Ein schöner Augenblick, der ein Lächeln in das Gesicht bei vielen Besuchern zauberte. Der Himmel war blau, es wehte ein ganz leichter Wind, der Himmel schien auf einmal ganz nahe.
Nachher konnte ich dieses schöne Rätsel mit meinen Geschwistern lösen. Ganz in der Nähe sind bei einem leichten Luftzug fünf aufgehängte Gießkannen aneinandergeschlagen. Das ergab diesen schönen Klang. Wir haben es danach selbst ausprobiert.
War es Zufall, dass der Wind gerade in diesem Moment uns diese schönen Klänge geschenkt hat? Ich möchte es hier offenlassen. Man muss nicht alles verstehen. Auf jeden Fall war es in diesem Moment ein wunderschöner Hinweis auf den Himmel, auf den Ort, wo wir uns einmal begegnen, wo im Bild gesprochen über den Wolken die Sorgen klein und die Hoffnung groß sein wird. Ein Hinweis auf den Ort, den wir jetzt schon immer wieder im Gebet, in der Stille oder in der Natur finden können, um aus der Liebe Gottes Kraft und Orientierung für unser Leben zu schöpfen.
Vater, ich will, dass da, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen.“ Dieses Gebet Jesu, sagt Johannes, erfüllt sich schon in diesem Leben. Wir sind verbunden mit Christus. Manchmal, vielleicht auch an diesem schönen Himmelfahrtswochenende, ahnen wir im weiten Blau des Himmels die Herrlichkeit und die Freiheit, zu der wir bestimmt sind, sind wir verbunden mit Christus.
Amen

In Weilstetten findet in der St. Dionysius-Kirche sonntags in der Regel um 9:30 Uhr Gottesdienst statt.


Die Kinderkirche findet zu bestimmten Terminen im Jahr statt. In der Adventszeit probt die Kinderkirche für das Krippenspiel an Heiligabend. Die Planungen und Termine über das Jahr werden rechtzeitig bekannt gegeben.


Die aktuellen Zeiten entnehmen Sie den Angaben unter "Aktuelle Termine und Gottesdienste".
 
Das Abendmahl wird mehrmals im Jahr im Gottesdienst gefeiert. Es wird abwechselnd mit Einzelkelch und Gemeinschaftskelch, mit Traubensaft und Wein gefeiert.